Das Klo am Gang war immer schlimm für mich

Foto: GB Stern 10

Ich bin in einem Grenzort geboren. Ich war bis zu meinem 16. Lebensjahr unten. Ich kam hier her, um meiner Nachbarin mit den Kindern zu helfen. Damals kam ich auch in den 10. Bezirk und es war eine kleine Wohnung. Ich habe mir Wien großartig und toll vorgestellt. Ich bin in einem Haus aufgewachsen, wir waren fünf Kinder, mit Oma und Opa und mit Mama und Papa haben wir gelebt. Wir waren nicht reich, aber wir hatten alles. Wir haben ein normales Leben gehabt, wir hatten ein Badezimmer und vier Schlafzimmer. Wir waren ganz frei. Wien habe ich mir, wie gesagt, ganz toll vorgestellt. Leute die schon vorher hier gearbeitet haben, waren immer super toll angezogen als sie mit ihren tollen Autos auf Urlaub kamen. Ich dachte, dass sie wie Götter leben. Als ich hier her kam und das erste Mal die Wohnung betreten habe, ist mir schlecht geworden. Das war eine Wohnung von 40 m2, mit WC am Gang, kein Wasser in der Wohnung. Ich war schockiert. Ich war sprachlos, konnte aber nichts machen. Langsam habe ich mich auch daran gewöhnt, aber das Klo am Gang war immer schlimm für mich, weil man es mit anderen Leuten teilen musste. Wir mussten in ein städtisches Bad zum Duschen fahren. Es war besser in unserem Wald zu leben, als hier in Wien. Unser Land war im Vergleich zu Wien unentwickelt, aber eigentlich waren wir reich, wirklich reich.

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